Praxis-Info:
Naturheilpraxis
Klaus John
Lanzer Weg 5
21481 Buchhorst
Tel: 04153 53828

1. Auf individueller Stufe:

Unsere tiefsten Bedürfnisse sind spiritueller Natur. Materielle Dinge können uns an und für sich keine Erfüllung und Glück mehr bringen, sobald wir Befriedigung unsrer grundlegenden biologischen Bedürfnisse (Nahrung, Sicherheit, Unterkunft, Sex) erreicht haben. Im Laufe biographisch orientierter Psychotherapie entdecken viele Menschen, dass ihr Leben in bestimmten spezifischen Bereichen zwischenmenschlicher Beziehung unauthentisch gewesen ist. Zum Beispiel können Probleme mit elterlicher Autorität zu spezifischen Mustern von Schwierigkeiten mit Autoritätsfiguren führen, wiederholte funktionsgestörte Muster in sexuellen Beziehungen können auf die Eltern als Modell für sexuelles Verhalten zurückgeführt werden, Geschwisterthemen können zukünftige Beziehungen Gleichberechtigter einfärben und verzerren usw.

Wenn der Prozess der Selbsterforschung perinatale Ebenen erreicht, entdecken wir typischerweise, dass unser Leben bis zu diesem Punkt nicht nur in bestimmten Teilbereichen, sondern in seiner Gesamtheit ziemlich unecht gewesen ist. Wir finden zu unserer Überraschung und zum Erstaunen heraus, dass unsere gesamte Lebensstrategie falsch war, und deshalb ungeeignet, echte Befriedigung zu bieten. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass sie vorrangig durch nicht angemessen bearbeite und integrierte Angst vor dem Tod und unbewusste mit der biologischen Geburt verbundene Kräfte motiviert war. In anderen Worten, wir schließen den Geburtsprozess anatomisch, aber nicht emotional ab.

Wenn unser Bewusstseinsfeld stark durch die unterliegende Erinnerung an den Kampf im Geburtskanal beeinflusst ist, führt es zu einem Gefühl des Unbehagens und Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Situation. Diese Unzufriedenheit kann sich auf ein großes Spektrum an Themen beziehen – unbefriedigende körperliche Erscheinung, ungenügende Ressourcen und materieller Besitz, niedriger sozialer Rang und Einfluss, mangelhafte Macht und Einfluss und Vieles mehr. So wie das Kind im Geburtskanal feststeckt, fühlen wir ein starkes Bedürfnis, eine bessere Situation irgendwo in der Zukunft zu erreichen.

TretmühleEgal was die Wirklichkeit der gegenwärtigen ist, wir finden sie nicht befriedigend. Unsere Fantasie bildet weiterhin Bilder von zukünftigen Situationen, die mehr erfüllend als die gegenwärtige erscheinen. Bis wir diese erreichen, scheint das Leben wird nur eine Vorbereitung auf bessere Zeiten und nicht „das Wahre“ zu sein. Das Resultat ist ein Lebensmuster, das meine Klienten als „Tretmühle” (das Bild eines Hamsters, der in einem drehenden Rad rennt) oder als Konkurrenzkampf mit Allen Mitteln („rat-race“) beschrieben haben.

Die Existentialisten reden über die Projektion des Selbst in die Zukunft. Diese Strategie ist ein grundlegender Trugschluss des menschlichen Lebens. Sie ist im Wesentlichen eine Verliererstrategie, weil sie nicht die erwartete Befriedigung gibt. Von dieser Perspektive ist es belanglos, ob sie in der materiellen Welt Früchte trägt oder nicht.

In Joseph Campbells Worten bedeutet es, die Leiter ganz nach oben geklettert zu sein, um herauszufinden, dass sie an der falschen Wand steht. Wenn das Ziel nicht erreicht ist, wird die andauernde Unzufriedenheit der Tatsache zugeordnet, dass wir die korrigierenden Maßnahmen verfehlt haben. Wenn wir das Ziel unsrer Bestrebungen erfolgreich erreichen, hat dies typischerweise nicht viel Einfluss auf die grundlegenden Gefühle. Die andauernde Unzufriedenheit wird dann entweder der Tatsache zugeordnet, dass die Wahl des Zieles nicht korrekt war, oder es nicht ehrgeizig genug war. Das Resultat ist dann das Ersetzen des alten Zieles mit einem Anderen oder die Verstärkung der gleichen Art von Ambitionen.

Auf jeden Fall wird das Versagen nicht korrekt als ein unvermeidliches Resultat einer grundlegend falschen Lebensstrategie, die prinzipiell unfähig Befriedigung zu bieten ist, diagnostiziert. Dieses auf breiter Ebene angewandte irreführende Muster ist für tollkühnes absurdes Streben nach verschiedenen grandiosen Zielen, was in großem Leid und vielen Problemen dieser Welt führt, verantwortlich. Es kann auf jeder Stufe von Wichtigkeit und Wohlstand ausgespielt werden, denn es bringt niemals wahre Befriedigung.

Die einzige Strategie, die diesen irrationalen Drang bedeutsam verringern kann ist das volle bewusste Wiedererleben und Integration des Traumas der Geburt während systematischer innerer Selbsterkundung und Verbindung zum transpersonalen Bereich der Psyche.

Moderne Bewusstseinsforschung und erfahrungsorientierte Psychotherapie haben entdeckt, dass die tiefsten Quellen unserer Unzufriedenheit und Perfektionsstreben jenseits des perinatalen Bereiches liegen. Diese, das menschliche Leben treibende unstillbare Verlangen ist letztlich
transpersonaler Natur. Mit Dante Alighieris Worten „ Das Verlangen nach Perfektion ist dieses Verlangen, das immer Vergnügen unvollständig erscheinen lässt, denn es gibt keine Freude oder Vergnügen, die so groß sind, dass sie den Durst unserer Seele löschen könnten“ (Dante 1990).

Im mehr allgemeinen Sinn können die tiefsten transpersonalen Wurzeln von unstillbarer Gier mit Ken Wilbers Konzept des „Atman Projekts“ ( Wilber 1980) beschrieben werden. Unsere wahre Natur ist göttlich – Gott, Kosmischer Christus, Buddha, Brahma, Das Tao - und obwohl der Schöpfungsprozess und von unseren tiefen Quellen trennt und entfremdet, ist das Bewusstsein für diese Tatsache nie vollständig verloren gegangen. Die tiefste Motivationskraft auf allen Stufen der Bewusstseinsentwicklung der Psyche ist das Zurückkehren zur Erfahrung unserer eigenen Göttlichkeit. Jedoch verhindern die zwingenden Umstände der aufeinander folgenden Stufen der Entfaltung eine vollständige Befreiung in und als Gott.

Wirkliche Transzendenz erfordert Sterben des abgetrennten Ichs, eingehen in das exklusive Subjekt. Wegen der Furcht vor Vernichtung und wegen des Festhaltens am Ego, muss der Mensch sich mit Ersatz für Atman und Surrogaten abfinden, die für jede Phase spezifisch sind. Für den Fötus und das Neugeborene bedeutet es die im guten Mutterleib oder an der guten Brust erlebte Befriedigung. Für ein Kind ist dies die Befriedigung altersspezifischer physiologischer Bedürfnisse (Maslow). Für den Erwachsenen ist der Bereich möglicher Atman Projekte groß; er umfasst neben Nahrung und Sex auch Geld, Ruhm, Macht, äußere Erscheinung, Wissen und vieles Andere.

Wegen unserer tiefen Empfindung, dass unsere wahre Identität die Ganzheit der kosmischen Schöpfung und das schöpferische Prinzip selbst ist, werden Substitutionen jeden Grades und Umfanges, die Atman Projekte, immer unbefriedigend bleiben. Nur die Erfahrung der eigenen Göttlichkeit in
holotropen Zuständen kann jemals unsere tiefsten Bedürfnisse befriedigen. Deswegen liegt die ultimative Lösung für die unersättliche Gier in der inneren Welt, nicht in weltlichem Streben irgendwelcher Art und Umfang. Der persische Mystiker und Dichter Rumi erklärte es gut:

Alle Hoffnungen, Leidenschaften, Liebe und Zuneigung, die Menschen für verschiedene Dinge haben – Väter, Mütter, Freunde, Himmelreiche, die Erde, Paläste, Wissenschaften, Arbeiten, Nahrung, Getränke – sind, wie die Heiligen wissen, Leidenschaften nach Gott und alle diese Dinge sind Schleier. Wenn die Menschen diese Welt verlassen und den König ohne diese Schleier sehen, dann werden sie wissen, dass das Alles Schleier und Abdeckung war, dass das Objekt ihrer Leidenschaft in Wirklichkeit das Eine Ding war.

                         (Hines 1996).

Was das Auge nicht gesehen, noch das Ohr gehört hat (Oculos non vidit, nec auris audivit)

Bild: Was das Auge nicht gesehen, noch das Ohr gehört hat (Oculos non vidit, nec auris audivit)weiter

Dieser Artikel wurde publiziert in:
“The Inner Door – A Publication of the Association for Holotropic Breathwork International”
Volume 19, Issue 1, ISSN # 1524-623X, February 2007
Orginaltitel:
“The Current Global Crisis and the Future of Humanity: A Transpersonal Perspective
Stanislav Grof. M. D.”

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